Montag, 22. Juni 2015

Islas San Blas - das Karibikparadies zum Abschied aus Zentralamerika

Meine Ankunft in Panama-City verlief etwas unsanft. Der Freund einer meiner Cousins aus Kolumbien hatte mir vorab angeboten, bei ihm zu übernachten. Es machte ihm auch nichts aus, dass ich meine Ankunft auf ca. 4h morgens ankündigte. Doch leider hielt er sein Wort nicht. Weder öffnete er seine Tür, noch war sein Handy eingeschaltet. Nach drei Stunden Warten auf der Straße während der Dämmerung wurde es mir zu dumm. Ich nahm mir ein Taxi zum nächst gelegenen Hostel. 
Nach erfolgreicher Regeneration durch Dusche und einer kurzen Siesta entschied ich mich dafür, mich zunächst auf die Suche nach einer neuen GoPro-Kamera zu machen und wurde in der riesigen Albrook Mall fündig. Jetzt war ich erleichtert. Schließlich hatte ich noch ein Paradies vor mir, mit dem ich mich aus Zentralamerika verabschieden wollte. Da durfte die Kamera einfach nicht fehlen.
Nachdem ich mir einen Tag lang noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie das Altstadtviertel Casco Viejo und den Panamakanal angesehen hatte, ging es am dritten Tag nach meiner Ankunft endlich los. Das Ziel: Die Islas San Blas, einer Inselgruppe bestehend aus sage und schreibe 365 Inseln an der Karibikküste Panamas, nahe der Grenze zu Kolumbien. Ich hatte hierfür eine 4-tägige Tour gebucht, die passend zu meiner Route, in Kolumbien enden sollte. Unsere Gruppe war ein bunter Mix aus den Nationen USA, Kanada, Neuseeland, Australien, England, Deutschland und Taiwan. Unsere Guides waren Sanne aus Holland und Ben aus Frankreich.
Die Tour startete in Panama-City mit anschließender Fahrt nach Cartí an der Karibikküste des Landes. Ab hier ging es 4 Tage lang nur noch mit dem Boot weiter, wobei wir an allen 4 Tagen auf insgesamt nur 8 Stunden Bootsfahrt kamen. 
"Das muss ein Traum sein", muss eines der häufigsten Gedanken gewesen sein, die uns durch den Kopf gingen, als unser Boot auf einer der Inseln anlegte, auf der noch nicht mal mein Elternhaus darauf Platz gefunden hätte. 


Einige von uns konnten ihre Glücksgefühle und ihr Erstaunen nur durch Sprüche wie z.B. "Wie lautet das WLAN-Passwort hier?" im Gleichgewicht halten. 
Das Wasser war so glasklar, dass man im Stand bis zum Grund hinunterschauen konnte. So manch einer war vom Schnorcheln nicht mehr weg zu kriegen. 


Erst nach ca. 3 Stunden mussten wir unser erstes Inselparadies verlassen um uns kurz darauf auf dem Nächsten wiederzufinden. 
Dort sollten wir auch unsere erste Nacht verbringen. Die Insel war ein klein wenig größer als die Erste und unsere Schlafplätze waren Hütten mit sehr gemütlichen Hängematten.


Am zweiten und dritten Tag ging es mit ähnlichem Entspannungsgrad weiter. 
Unser Übernachtungsquartier am dritten Abend war eine etwas größere Insel, die von etwa 900 Kunas (eine indigene Bevölkerung Panamas, welche das Gebiet der San Blas Inseln (korrekter Name: Guna Yala) im Autonomiestatus bewohnen. Diesen Nachmittag auf dieser Insel werden wir alle nicht so schnell vergessen können. "Es ist so einfach glücklich zu sein", diesen Gedanken teilten wir fast alle miteinander, als eine Meute von Kuna-Kindern um uns herum hüpfte, mit uns spielten, sich von uns auf den Schultern tragen ließen und eine riesen Freude daran hatten, den Speicherplatz auf unseren Kameras fast zur Erschöpfung zu bringen. 


Der 4. Tag bedeutete nicht nur das Ende der Tour und der Abschied aus dem Paradies der San Blas Inseln, sondern auch der Abschied aus Panama und der Abschied aus Zentralamerika. Ebenso lächelte ich aber bei der Grenzüberquerung zu See (von Puerto Obaldía in Panama nach Sapzurro und Capurganá in Kolumbien) zwei Fakten entgegen. Zum einen war ich ab jetzt wieder einmal in Kolumbien. Das Heimatland meiner Mutter, das Land in das ich mich als 16-jähriger verliebte und meine Zuneigung dazu bis heute keine Grenzen kennt. Zum anderen war ich mehr gespannt denn je, was jetzt auf mich zukommen würde, in meinem Geburtskontinent, Südamerika. 



Dienstag, 9. Juni 2015

Isla Ometepe & San Juan del Sur - warten auf den Regen

Nach dem Abschied von Eugene verbrachten Leni, Claudia und ich noch zwei weitere Tage in Granada und diese weiterhin unter megahitzigen Temperaturen. Diese Bedingungen sollten sich zunächst auch nicht ändern als wir zu dritt auf die Isla Ometepe weiter reisten. Diese größte und bekannteste Insel auf dem Nicaraguasee erreichten wir mit der Fähre direkt von Granada aus. Gegen Ende dieser 4-stündigen Fahrt bot sich - je näher wir der Insel kamen - ein unvergesslicher Blick auf den Vulkan Concepción


Dieser 1610 Meter hohe Vulkan, der übrigens noch aktiv ist, sollte uns noch zum Verhängnis werden. Abends in unserem Hotel in Altagracia, dem größten Ort auf der Insel mit weniger als 3000 Einwohnern (gefühlt weniger als 300), versuchte der Hotelbesitzer uns hartnäckig noch weitere Leistungen zu verkaufen. Mit unserem Interesse an einer Fahhradmiete gab er sich nicht zufrieden, also kam nach einer etwa halbstündigen Verhandlung ein achtbarer Preis für drei Mieträder plus zusätzlich eine geführte Vulkanbesteigung.
Also ging es am nächsten Tag erst mal mit unseren recht alten aber gerade noch fahrbaren Zweirädern auf Entdeckungstour. Dies erwies sich als recht angenehm, zumal es auch kurze Abfahrten gab und wir uns durch den Fahrtwind etwas abkühlen konnten. Halt machten wir am Strand Santo Domingo. Dieser war zwar super schön, aber leider auch die reinste Mückenplage. Entspannt im Sand liegen war also leider nicht drin. 
Am Tag drauf standen wir bereits um 4:30h auf um eine halbe Stunde später mit unserem Guide Richtung Vulkan Concepción zu marachieren. Noch nicht mal am Fuß des Vulkan angekommen, dachten wir mittlerweile alle, was Leni am Tag zuvor bereits laut ausgesprochen hatte: "Wieso haben wir hierzu bloß ja gesagt?" Die Hitze, wohlgemerkt die angeblich etwas kühlere Vormittagshitze, machte uns extrem zu schaffen. Der Weg hinauf, der vor allem über kopfgroße und teilweise eckige Steine führte, brachte uns zusätzlich zu der Erkenntnis, dass wir hierfür nicht vorbereitet waren. Wir hatten vorab vereinbart, dass wir zunächst bis zur Hälfte des Vulkans, also auf ca. 800 m Höhe laufen würden und dann beschließen würden ob wir noch bis zur Spitze laufen würden. Wir schafften es nicht mal bis zur Hälfte, sondern lediglich bis zum letzten Aussichtspunkt unterhalb der Hälfte, also so ungefähr auf 550 m Höhe. Der Nebel wurde an diesem Vormittag immer dichter, so dass wir auch keine schöne Aussicht genießen konnten. Davon wurde es aber kein Grad kühler. Wir waren uns alle drei sehr schnell einig, dass wir ab hier den Rückweg antreten sollten. Wir schämten uns keineswegs hierüber, sondern genossen den Nachmittag komplett frei ohne Programm zu haben. 


Der nächste Tag war für uns drei Abreisetag von der Insel. Es sollte sich aber herausstellen, dass es mein bisher einziger Pechtag auf der Reise werden sollte. Wir stiegen noch am Vormittag in den Chickenbus nach Moyogalpa, dem Ort an der Westküste der Insel, von wo aus man mit der Fähre mit nur einer Stunde Fahrt wieder das Festland erreicht. Der Bus war schon einen Kilometer gefahren, als mir einfiel, dass ich mein IPhone, noch an einer Steckdose angeschlossen, im Hotel vergessen hatte. Ich stieg sofort aus und vereinbarte mit den Mädels vorher noch, dass wir uns einfach am Hafen treffen würden. Wenig später erreichte ich das Hotel und nahm gleich mein Handy an mich. Anschließend ließ ich mich von einem Motorradfahrer im super schnellem Tempo mitnehmen. Er überholte sogar noch den Bus und ich konnte wieder einsteigen. Kurz bevor wir mit dem Bus den Hafen von Moyogalpa erreichten, stellte ich leider wieder fest, dass mir etwas fehlte. Diesmal war es meine GoPro-Kamera samt dem Selfistick. Ich war mir sogar sicher, sie vormittags nochmal aufgeladen und anschließend in meinen kleinen Rucksack gesteckt zu haben. Dennoch war sie weg. Nur aus reiner allerletzter Hoffnung ließ ich mich nach der Ankunft in Moyogalpa nochmals zum Hotel in Altagracia per Motorrad bringen, leider nichts. Anschließend fuhren wir noch im langsamen Tempo die kurze Strecke ab, welche ich zu Fuß lief als ich mein Handy holte, leider auch nichts. Die Kamera war weg und das musste ich so hinnehmen. Letztendlich war ich dennoch erleichtert, darüber dass ich mein IPhone wieder hatte und was die Kamera betraf, bis auf die Bilder, die ich die letzten drei Tage mit der GoPro gemacht hatte, waren alle Bilder auf meiner externen Festplatte gesichert. Ich entschied sobald wie möglich eine neue GoPro-Kamera zu kaufen, wenn sich die nächste Gelegenheit ergeben würde.
Ich rechne es Leni und Claudia hoch an, dass sie in aller Ruhe bei einem Café auf mich warteten, während ich auf der Suche nach meiner Kamera war. Dummerweise verzögerte sich unsere Abfahrt zum Festland dadurch enorm. Wir konnten erst am späten Nachmittag die Insel mit der Fähre verlassen und am Festland angekommen erfuhren wir, dass kein Bus mehr nach San Juan del Sur, unserem nächsten Ziel, an diesem Tag fahren sollte. Also fuhren wir nach mehrminütiger Preisverhandlung mit dem Taxi. 
San Juan del Sur war wie wir es uns vorgestellt hatten. Ein Strand an der Pazifikküste, der sich voll und ganz Touristen widmet, in großer Anzahl amerikanischen Besuchern. Uns gefiel es. Am Abend der Ankunft erfüllten wir uns zunächst mal einen Tageswunsch und aßen zusammen zwei große leckere Pizzen. Am zweiten Abend kochten wir selber in unserem Hostel und da die Hostelküche auch über einen Mixer verfügte, bereiteten wir uns noch unsere eigenen Margaritas zu. Anschließend ging es noch zum Abtanzen zu einer der Bars am Strand. 


Ansonsten unternahmen wir in San Juan del Sur nicht wirklich viel. Leni und Claudia nutzten die viele freie Zeit und die gute Internetverbindung um mit ihren Lebensgefährten zu skypen.
Und am letzten Abend kam er endlich: Der Regen. Es nieselte sogar immer noch als wir am nächsten Vormittag Nicaragua verließen und mit dem Bus nach San José, der Hauptstadt von Costa Rica, fuhren. Ich blieb nur eine Nacht in San José. Ich hatte schon vor fast einem Monat entschieden, dass ich Costa Rica nicht bereisen würde, sondern von Nicaragua aus auf schnellstem Weg nach Panama kommen wollte. Zu oft hatte ich die gleichen Meinungen über Costa Rica gehört: Unglaublich teuer, teilweise mit einem Preisniveau, was in einigen Bereichen sogar hin und wieder über dem von Deutschland liegen kann. Hinzu kamen professionelle Meinungen, also von Leuten die bereits alle Länder in Zentralamerika bereist haben. "Länder wie Guatemala oder Nicaragua bieten dir das Gleiche wie Costa Rica und darüber hinaus noch Einzigartiges mehr." 
Da Leni und Claudia noch eine Nacht länger in San José blieben, hieß es für uns leider Abschied voneinander nehmen. Wir hatten jetzt 10 Tage miteinander verbracht, viel zusammen gesehen und erlebt, viel gelacht und uns sehr einander gewöhnt. Entsprechend ein wenig traurig war der Abschied dann auch. "Es war toll mit dir. Wir sehen uns hoffentlich mal in Bayern sobald du deine Reise beendet hast." 
Bei diesen Worten drückte ich beide nochmal und stieg winkend ins Taxi um kurz darauf in meinem Bus Richtung Panama zu sitzen. 

Mittwoch, 3. Juni 2015

Granada - die Schöne am Nicaraguasee

Der Aufenthalt in Las Peñitas hatte mich optimal auf das vorbereitet, was auf mich in Granada wartete. Damit meine ich vor allem die Hitze. Selten zuvor während meiner bisherigen Reise hatte ich so oft das Gefühl, Schattenplätze aufs Extremste auskosten zu müssen. Andernfalls erfreute ich mich zutiefst an der Schönheit dieser Kolonialstadt, über die oft gesagt wird, sie sei neben Antigua in Guatemala die schönste Kolonialstadt Zentralamerikas. 
Zunächst aber musste ich mit dem Chickenbus zurück nach León. Auf der Fahrt lernte ich Leni und Claudia, zwei sehr attraktive und super sympathische Bayerinnen, kennen. Zusammen hatten sie nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in Australien anschließend mit ihrer eigentlichen Weltreise begonnen. Nach Thailand, Malaysia, Singapur, den Fidschi-Inseln und den USA war jetzt eben Zentralamerika an der Reihe. Nach dem Austieg an der Endhaltestelle des Buses nahmen wir uns noch gemeinsam ein Taxi, verabschiedeten uns allerdings kurz danach. Für die beiden ging es noch in den Norden von Nicaragua während ich mich in den Bus zur Hauptstadt Managua setze um anschließend nach Granada zu gelangen. 
In Granada angekommen suchte ich erstmal schweißtropfend mein Hostel, was ich mir übers Internet am Vorabend rausgesucht hatte. Ich kann nicht sagen wie lange dies dauerte, aber meinem schweißnassen T-Shirt nach zu urteilen, muss es lange gewesen sein. An einem der Straßenstände gegenüber der Kathedrale, der Iglesia San Fransisco, dem Wahrzeichen Granadas, trank ich erstmal einen Liter Wasser und fragte wiederholt wie ich zu meinem Hostel kommen könnte. Dann endlich bekam ich die richtige Auskunft und diese war auch noch positiv. "Einfach rechts neben der Kathedrale die Straße rein und ein Block weiter auf der linken Seite", so selbtverständlich klangen die Worte des Standverkäufers. Noch mehr als über den noch kurzen zu bewältigen Weg, freute ich mich kurz darauf hechelnd auf die freie Dusche im Hostel. Anschließend ging ich dann wieder zur Kathedrale. Der Blick vom Kirchtum aus war herrlich, aber als ich wenige Minuten später auf dem Kirchturm der weiter stadtauswärts gelegenen Iglesia de la Merced stand, bot sich eine atemberaubende Aussicht auf die braunen Ziegeldächer von Granada, der Kathedrale und weiter hinter sah man sogar den Nicaraguasee, dem größten See in Zentralamerika. 


Für den zweiten Tag in Granada nahm ich mir vor mal wieder etwas aktiver zu werden und buchte zwei Touren. Zunächst verschaffte ich mir einen ordentlich Stoß Adrenalin bei einer Canopy-Tour. Die Anlage war ca. 3 km von der Innenstadt von Granada entfernt.
Die ersten beiden Seilstrecken waren erstmal zur Eingewöhnung. An der dritten Platform sicherte mich José, der Guide der Canopy-Anlage für die nächste Seilstrecke mit den Worten "Und jetzt wirst du Superman." Er schob mich nach vorne, sicherte sich selbst hinter mich und hielt anschließend meine Beine fest. "Und jetzt streck die Arme aus und flieg!" Mit diesen letzten Worten von José bei denen mir fast das Herz in die Hose rutschte, sausten wir die nächste Seilstrecke vorbei an den Urwaldbäumen bis wir ein paar Sekunden später die nächste Platform erreichten. In den insgesamt ein und halb Stunden, bei denen mir José noch weitere Flugfiguren beibrachte, hatte ich extrem viel Spaß. 


Die zweite Tour des Tages ging zu Las Isletas. Eine dreistündige Bootstour zu den kleinen vorgelagerten Inseln von Granada auf dem Nicaraguasee. Interessant fand ich die Erzählungen von Juan, dem Guide der mich und noch ein paar andere Traveller auf dieser Tour begleitete. "All diese Inseln sind vor vielen vielen Jahren enstanden als der Mombacho (Vulkan bei Granada) ausbrach. Insgesamt handelt es sich um über 400 Inseln, von den einige im Besitz von reichen Gringos sind." 


Am Tag drauf entspannte ich zunächst im Hostel und dachte schon über mein nächstes Ziel, der Isla Ometepe, nach. Ich kontaktierte über Facebook Eugene, den Neuseeländer, mit dem ich ein paar Tage zuvor die Volcano-Boading-Tour von León aus gemachte hatte. Als ich in fragte wo er denn gerade sei, teilte er mir zu meiner Freude mit, dass er gerade nach Granada zurück gekehrt sei, nachdem er ein paar schöne Tage auf der Isla Ometepe verbracht hatte. Als wir abends zusammen die Calle Calzada,  Granadas Touri-Meile, entlang schlenderten, traute ich auf einmal meinen Augen nicht. Ich erblickte, an einer Smoothie-Bar sitzend, Leni und Claudia. Ich freute mich sehr, dass wir uns wieder getroffen hatten und sie taten es ebenso. Kurz nachdem ich sie Eugene vorgestellt hatte, gingen wir alle gemeinsam zu einer der Bars auf der Calle Calzada. Bei einem kühlen Getränk unterhielten wir uns über Gott und die Welt, vor allen Dingen aber über das was das Reisen mit uns machst. 
Eugene fuhr am nächsten Tag nach Managua zum Flughafen um von dort aus auf die Corn Islands, dem Strandparadies auf der Karibikseite Nicaraguas, zu fliegen. Ich hatte kurzweise sogar noch drüber nachgedacht ihn zu begleiten, doch schlussendlich entschloss ich mich dagegen. Ich hatte mich bereits für ein anderes Paradies entschlossen, mit dem ich mich bald auch aus Zentralamerika verabschieden werde. Doch bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit. 

Montag, 25. Mai 2015

León - Kolonialstädtchen mit Herz

Eine 18-stündige Reise im Minivan-Shuttle bedeutete zugleich mein Abschied aus Guatemala. Ich verbrachte nochmal 3 Tage bei Angie und Giallo in Antigua. Am letzten Abend war mal wieder kräftiges und langes Feiern angesagt. Mir war es sehr recht. So konnte ich Antigua so in Erinnerung behalten, wie ich es kennen gelernt hatte. Außerdem startete der Minivan-Shuttle bereits um drei Uhr morgens und so war sicher gestellt, dass ich ausgiebig schlafen würde. Lediglich eine längere Pause auf der Hälfte der Strecke sowie die drei Grenzübergänge Guatemala-El Salvador, El Salvador-Honduras und Honduras-Nicaragua sorgten bei mir für zwischenzeitliches Erwachen. 
Mein erstes Ziel in Nicaragua sollte das Kolonialstädtchen León werden. Hier geht es weitaus weniger touristisch zu als beispielsweise in Antigua. Dennoch wurde mir schnell klar, warum León ein Anziehungspunkt für so viele Reisende ist. Es sind nicht die verfallenen Kolonialbauten wie beispielsweise die zahlreichen Kirchen. Vielmehr ist es die Tatsache, das León eine sehr politische Stadt ist und außerdem in der Geschichte von Nicaragua eine große Rolle spielte. Die Einwohner äußern gerne offen und direkt ihre eigene politische Meinung, was in einem Land mit links orientierter (sozialistisch geprägter) Regierung eher untypisch ist. 


Am Tag nach der Ankunft traf ich auf dem Parque Central direkt vor der Kathedrale Eugene, einem jung gebliebenen Neuseeländer, der am Vortag im selben Minivan wie ich nach León reiste. Wir buchten zusammen für den Folgetag eine Volcano-Boarding Tour. Hierbei hanbelt es sich um eine ca. einstündige auf den Gipfel eines nicht-aktiven Vulkans mit anschließender Abfahrt sitzend (wer sich traut auch gerne stehend) auf einem speziell für den gerölligen Untergrund angefertigten Brett. Für Eugene und mich ging es zusammen mit anderen Travellern am frühen Morgen auf den ca. 1000 m hohen Cerro Negro, eine Stunde von León entfernt. Es war eine tolle Tour, alle aus der Truppe waren super drauf und die Abfahrt auf dem Board machte einen riesen Spaß. 


In meinem Hostel in León lernte ich Leticia aus Frankreich kennen. Zusammen mit ihrer Freundin Julie hatte sie gerade ein vierwöchiges Praktikum in einem Kinderhilfsprojekt iin der Nähe von Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, hinter sich gebracht, was als Ergänzung zu deren Krankenschwesterausbildung diente. Julie traf einem Tag nach meiner Vulkantour in León ein. Zu dritt fuhren wir zusammen im Bus zum nahegelegenen Strand Las Peñitas. Dieser Strand erwies sich als der schönste im Pazifik, den ich während meiner bisherigen Reise besucht hatte. Zu dieser Zeit des Jahres waren die Flutverhältnisse so optimal, dass sich direkt vor unserem Hostel eine große Sandbank bildete, umrandet von einem Badeloch, was Wasser aus dem weiter hinten gelegenen Meer bezieht. 


Montag, 18. Mai 2015

El Salvador - eines der angeblich gefährlichsten Länder der Welt

Wie oft passiert es während so einer langen Reise, dass man ursprünglich gedachte Routen nicht einhält. Mir geht es spätestens seit meiner Ankunft in Guatemala so. Je mehr Menschen ich unterwegs kennen lerne, desto mehr komme ich auf neue Ideen und verwerfe vorherige Meinungen. Ein gutes Beispiel dafür ist mein einwöchiger Aufenthalt in El Salvador, dem von der Fläche her kleinsten Land Zentralamerikas. Vor und zu Beginn meiner Reise nannte ich dieses Land immer auf der Liste der Länder, die ich nicht vor hatte zu besuchen. Zu gefährlich, zu viel Gewaltpotential, zu viel Bandenkriminalität ... das ist das, was man so über El Salvador hört und liesst. Mich stimmten zwei Dinge um. Zum einen erfuhr ich von vielen Seiten, dass die Salvadorianer zu den freundlichsten und herzlichsten Völkern Zentralamerikas gehören. Hinzu kam noch, dass Cecilia und Cecilio (das Hotelbesitzerpaar aus Monterrico aus - siehe Ende letztes Kaptitel) mich zu sich nach Hause in San Salvador, der Hauptstadt von El Salvador, einluden. 
Zwischen den Hauptstädten Guatemala-Stadt und San Salvador sind es gerade mal 5 Stunden Fahrt im bequemen Reisebus, inklusive der Wartezeit an der Grenze beider Länder. 
Nach meiner Ankunft holten mich Cecilia und Cecilio vom Busterminal ab und wir fuhren zunächst zu ihnen nach Hause, da Cecilio und ich uns das Champions League Halbfinal-Spiel Juventus Turin - Real Madrid ansehen wollten. Auch am darauf folgenden Tag war Fußball Thema des Tages, nämlich das andere Halbfinale FC Barcelona - FC Bayern München. Das Ergebnis von 3:0 zugunsten der Spanier freute natürlich Cecilio, mich dafür um so weniger. Dann hatte ich aber auch erstmal genug von Fußball. Ich schaute mir zusammen mit Cecilia noch ein wenig das Zentrum der Hauptstadt an. Hier geht es laut und chaotisch zu, andererseits ist es eines der wenigen Bereiche der Stadt, die noch den ursprünglichen Flair haben. 


In den meisten anderen Stadtvierteln überwiegt mittlerweile der Kommerz von amerikanischen Handels- und Fast-Food-Ketten. Es wird für mich immer ein Rätsel bleiben, dass in so vielen Großstädten Lateinamerikas die Konsummöglichkeiten immer größer werden, während der Großteil der Bevölkerung hungert und nie lesen und schreiben lernen wird. In El Salvador kommt hinzu, dass seit nunmehr 11 Jahren der US-Dollar als Landeswährung gilt. Das ergibt überhaupt keinen Sinn und wenn man es genau nimmt ist es sogar komplett widersprüchlich. Die Mara Salvatrucha und die Mara-18, zwei der bekanntesten Jugendgangs Zentralamerikas mit salvadorianischer Mitgliedermehrzahl entstanden in Kalifornien in den 80er Jahren, in der Zeit als in El Salvador Bürgerkrieg herrschte und tausende Salvadorianer in die USA flüchteten. Nach Beendigung des Bürgerkriegs, der von der US-Regierung sogar durch Waffenlieferungen unterstützt wurde, wurden eine Vielzahl der straffällig gewordenen Salvadorianer wieder in ihr Heimatland abgeschoben. Die Gewaltbereitschaft der Mara-Gangs wurde in deren Heimat dadurch nur größer und mittlerweile führen die USA beide Gangs, die sich vor allen untereinander bekriegen, in der schwarzen Liste international krimineller Organisationen. Ich persönlich finde es schade, dass El Salvador durch Negativschlagzeilen in Verruf geraten ist und daher vielende Reisende dem Land fernbleiben. In der Tat ist es ein wunderschönes Land, was einiges zu bieten hat, auch wenn es nicht ganz einfach ist, es als einzelner Backpacker zu bereisen. Bis auf das Transportangebot in die Nachbarländer, gibt es keine Reisebusse, sondern nur die berüchtigten Chickenbuses. 
Nach meinem zweitägigen Aufenthalt in der Hauptstadt, stieg ich in einen dieser Hühnerbusse nach Playa El Tunco an der Pazifikküste. Der dortige Strand ist bezaubernd und bietet beste Bedingungen für Surfer. Leider wurde es auch diesmal nichts mit einem Surf-Anfängerkurs. Knapp eine Woche zuvor hatte hier nämlich ein Mini-Tzunami stattgefunden, weshalb die Küste zum Zeitpunkt meines Aufenthalts noch größtenteils aus kopfgroßen Steinen bestand und somit die Bedingungen für Surfanfänger ungeeignet waren. 


Meine letzte Station in El Salvador war die Ruta de las Flores (Blumenroute) im Nordwesten des Landes. Hierbei handelt es sich um eine 36 km lange Gebirgsstraße. Die bunte Vegetation mit zahlreichen Wasserfällen und Vulkanen im Hintergund wirkte auf mich nicht nur einladend, sondern vor allem überaus friedlich. Von dem Gedanken, es handele sich hierbei um eines der gefährlichsten Länder der Welt, war ich hier weit entfernt. Ich ließ mich in Juayúa nieder, einem der kleinen kolonialen Dörfer entlang der Blumenroute. In meinem Hostel hatte ich das Glück mich mit César, dem jungen Besitzer des Hostels, anzufreunden. Am Muttertagnachmittag, als er und zwei Freunde von ihm sich entschlossen hatten ins 15 km entfernte Ataco zu fahren um sich ein Jazzkonzert anzuhören, lud er mich ein mitzukommen. Selbstverständlich sagte ich zu. Allein schon die Mitfahrt auf der Ladefläche des Pickups von César war es wert. In Ataco erfreute ich mich neben dem Jazzkonzert an dem Anblick der mit Kunst bemalten Häuser. 


An meinem letzten vollen Tag in El Salvador machte ich noch eine Tour durch den umliegenden Urwald, vorbei an mehreren kleinen Wasserfällen. Dies war wahrlich kein Spaziergang und ohne den Guide wäre dies undenkbar gewesen. An einem der Wasserfälle musste ich mich sogar abseilen, wohlgemerkt ohne Sicherung. 



Am Tag drauf fuhr ich über mehrere Umwege zurück nach Guatemala, was geografisch gesehen eigentlich unsinnig war, denn meine Reise sollte ja stets Richtung Süden gehen. Doch es gab in Guatemala-Stadt noch etwas sehr wichtiges für mich zu erledigen, was vorher zeitlich nicht möglich gewesen war. Vor meiner Abreise aus Deutschland hatte ich bei meinen Abschieden Geld gesammelt. Dies wollte ich PROCEDI spenden. Saskia und die Direktorin des Projekts schlugen mir vor, damit einen Ausflug mit den Kindern zu finanzieren. Also ging es zwei Tage nach meiner Rückkehr aus El Salvador mit den Kindern zu einer dem Projekt nahegelegenen Fußballanlage mit Kleinfeldern aus Kunstrasen. Diese wurden für drei Stunden gemietet um ein Turnier zu veranstalten. Die Kinder hatten einen riesen Spaß. Mit dem Geld wurden außerdem Getränke, Essen und Eis eingekauft. Es war auf meiner Reise der bis dahin für mich emotionalste Moment, die Kinder so fröhlich und so viel Spaß habend zu sehen. 


An dieser Stelle möchte ich meinen Freunden und Ex-Kollegen aus München für die Spenden tausend mal danken. Mit eurer Unterstützung habt ihr Kindern einen wundervollen und unvergesslichen Tag bereitet.